Die Selflove-Falle

Wer weiß, wie sich eine Ess-Störung auswirkt, der weiß auch, dass dies so ziemlich das Gegenteil von Self-Love ist. 

 

Du redest dir vielleicht ein, es sei zu deinem Besten, aber dein Bestes findest du eben nicht in deinen Gedanken.

Nicht in erster Instanz.

 

Bei einer Ess-Störung hörst du auf, zumindest eines deiner natürlichen Körper-Bedürfnisse (Hunger) wahrzunehmen und ziehst es vor, deinen BEWERTUNGEN darüber, was richtig und falsch ist, was schön ist oder unansehnlich, was gesund ist, oder ungesund ist, zu glauben und dich sehr strikt danach zu richten.

 

Sehr strikt. Und wenn nicht, wenn du mal abweichen solltest, bestrafst du dich auf der Stelle mit Verurteilung, Härte und Herabsetzung: 

 

„Natürlich, was denn sonst, war ja zu erwarten, ich muss mich noch mehr zusammen nehmen, noch strenger zu mir sein, noch härter an mir arbeiten.“

 

Diese Befehle, was du zu tun hast oder wie du sein sollst – diese Befehle kommen aus einer bestimmten Bewusstseins-Ebene: deinen Gedanken, deinem Verstand.

 

Und sind getrennt von der Verbindung mit deiner inneren Wahrheit.

Und das ist der springende Punkt.

Orientierung am Außen

Mit diesen am Außen orientierten, von anderen übernommenen Befehlen 

ziehst du dir eine unbequeme, enge Zwangsjacke an, 

setzt dir eine Tarnkappe auf, bis von DIR SELBST nichts mehr übrig ist.

 

Und insgeheim wunderst du dich, warum du nicht glücklich bist, warum du dich nicht wohl fühlst, warum du so isoliert bist und die anderen dich meiden.

 

Wenn, dann meiden sie nicht DICH, sondern das verzerrte Gespenst,

das du entschieden hast zu sein und nach außen hin zu repräsentieren. 

 

DU selbst bist ja für deine Umgebung gar nicht mehr vorhanden, nur noch eine Hülle…

Und viele wissen mit dieser Hülle einfach nichts mehr anzufangen…

 

Du meinst vielleicht, deine Gesundheits-, Essens- oder Diätvorschriften seien ein Akt der Selbstliebe, weil du ja so gut auf dich schaust,

aber etwas hast du dabei völlig vergessen oder einfach unbeachtet gelassen:

 

 

Die HERKUNFT dessen, wonach du dich richtest, wonach du dich orientierst!

 

 

Im Falle der Essstörung – und anderen selbstzerstörerischen Gewohnheiten – orientierst du dich am AUSSEN und an der Meinung dessen, wie du (in deiner Gedankenwelt) glaubst, sein zu SOLLEN – um glücklich und geliebt zu sein.

 

 

Du meinst, du wirst erst glücklich sein, wenn du DÜNN bist, wie eine Barbie-Puppe – und wenn du dich im Spiegel siehst erschrickst du, weil du dieses Ziel noch nicht erreicht hast – und wirst wieder hart, und streng mit dir oder verzweifelst und resignierst.

 

Die Selbst-Liebe-Falle

Dir ist vielleicht gar nicht bewusst, dass du dich mit jedem Befehlston und jeder Härte gegen dich selbst nicht nur nicht wohl fühlst, sondern dich selbst in eine grauenvolle, destruktive Stimmung hinein manövrierst! 

Du meinst, du müsstest es einfach NOCH STÄRKER versuchen, du hättest dich einfach noch nicht gut genug bemüht.

Du meinst, du bist auf dem Weg der Selbst-liebe, weil du ach-so-gut auf dein Gewicht, deine Ernährung, deine Bewegung, deinen Kalorienverbrauch… achtest –

dabei sind es BEFEHLE, die du dir sagst und entgegen nimmst.

Falls du es nicht schaffst, deinen Befehlen zu folgen, machst du dir endlos Vorwürfe, weil du ja genau weißt, was du zu tun hättest, um dünn zu werden, hältst dich aber nicht dran.  

Und nun geht es nicht allein um Essen und dünn sein, sondern auch noch darum – dich selbst zu lieben.

Dir selbst gutes zu tun. – 

Allerdings gehst du mit dem gleichen Basisverhalten an die Sache heran,

mit dem du dir gutes tun und abnehmen willst!

Du nimmst die gewohnte Vorgehensweise von: 

ich bestimme, wie ich zu sein habe! – 

und legst sie nun um auf ANDERE Dinge, die dir gut tun SOLLTEN:

  • Ein heißes Bad mit Duftölen und Kerzenschein,
  • tägliches Yoga 
  • oder Waldspaziergang 
  • oder Fitness-Studio.

Das Wohltun wird – wie alles sonst auch – zur To-Do-Liste, 

weil du NUR DANN glücklich und geliebt wirst!

Denn darum geht es letztendlich:

du willst – wie wir alle – glücklich, geliebt, angenommen sein.

Selbst-Liebe - was bedeutet sie für DICH?

Auch wenn Essen jetzt nicht dein Thema ist, kennst du vielleicht den Ansatz:

 

ICH WEIß, wie ich sein soll, was ich tun soll,

damit ich glücklich und geliebt bin.

Oder auch:

ICH WEIß NICHT, wie ich sein soll, was ich tun soll,

jetzt klammere ich mich an das, was ich meine, was andere von mir erwarten

oder an das, was ich bei anderen glaube zu sehen, was funktionieren könnte.

 

Was fehlt ist das Einvernehmen mit deiner inneren Wahrheit:

mit dem, was tatsächlich, in deiner Ganzheit von

Körperwahrnehmung, Denken, Fühlen und Handeln für dich stimmt!

Mag sein, dass ein Bad entspannend ist –

aber du hast immer schon lieber geduscht!

Oder du hast einen sitzenden Job – und dir ist danach eigentlich total nach auspowern statt „entspannen“ –

 

In Gedanken kannst du nicht erfahren, was dir im Moment am wohlsten tut.

Das kannst du nur spüren.

 

Du SPÜRST immer selbst am besten,

was es denn ist, was dich im Moment mit Liebe und Freude erfüllen würde.

 

Und zwar, wenn dein Fokus darauf gerichtet ist, 

was DU BRAUCHST, UM DICH WEITERHIN OPTIMAL ZU ENTFALTEN, DICH WOHL ZU FÜHLEN, ZU WACHSEN!

  • sei es ein gefüllter Energie-Tank, 
  • neuer geistiger Input in Form von einem Buch, einem Kurs oder einem Treffen mit Freunden, 
  • eine Auszeit von lärmenden Eindrücken, 
  • oder ein Eintauchen in Wärme (Bad, Bettdecke, Sauna,…), 

dann kommt deine individuelle Antwort – und zwar von innen und spürbar!

 

Und DANN, wenn du spürst, was jetzt für dich am besten ist, 

DANN kommt die Instanz des Denkens, des Verstandes ins Spiel:

 

Wie kommst du denn am besten zu dem, was du da fühlst, wonach du dich sehnst?

 

Und DANN dürfen die Ideen sprießen

und in Kombination mit deiner Freude dich zu Taten motivieren:

  • Buch aus dem Regal nehmen und das Handy auf lautlos stellen
  • Freundin anrufen und Treffen vereinbaren oder gleich losquatschen
  • Badewanne einlassen (nun jetzt doch, aber mit anderer Motivation!) und Tee und Buch mitnehmen…

Zusammenfassung:

 

Eigentlich brauchst du nur eine Frage austauschen:

 

Bisher war die Frage in deinem Kopf (oder Hinterkopf)

Wie soll ich sein, was muss ich tun, um glücklich/geliebt zu sein?

 

Und ab jetzt folgst du der Wahrnehmung von:

Was lässt dein Herz jauchzen, wenn du dich fragst: 

 

Wenn ich genau wüsste, was mich glücklich macht,

WAS WÜRDE ICH JETZT WOLLEN?

 

Hast du Lust? Möchtest du dich auf dieses Experiment einlassen?

Tausche die erste Frage einfach gegen die zweite aus.

Sooft du sie bemerkst.

Ab jetzt.

 

 

„Wenn du entschieden hast,

dass deine innere Orientierung

Liebe & Freude ist,

wenn dein Herz für dich offen ist,

ist Selbstliebe kein Thema mehr,

sondern selbstverständlich!“

 

(Auszug aus der Tagesinspiration von 3.5.)

 

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